Was war das denn?

Verfasst von hanenberg am 16. Februar 2011 - 11:21 in Antifa-KOK, Freiräume für Bewegung, Notting Hill, Wdr, Wdr Lokalzeit

Freilicht-Wohnzimmer - Inszenierung für WDR Lokalzeit?

Tisch, Sofa, Bank, Klappstühle, Stehlampe, Transparent, Leinwand, Laptop und cirka 40 Leute warteten auf den WDR, der für die regionale Sendung Lokalzeit filmen wollte. Und der gab Regieanweisungen, rückte die Aktivisten hin und her und ins rechte Licht, fragte nach Musik und hielt dann auf die Leinwand, auf der „Flingern – das Notting Hill von Düsseldorf“ abgespielt wurde,im übrigen ein für seine Zwecke gut gemachter Imagefilm, auch wenn Flingern Nord wenig gemein hat mit Notting Hill.

Einer spielte leise ein paar Akkorde auf der Mandoline, die aber von der Filmmusik übertönt wurden. Als der WDR seine Bilder im Kasten hatte und wieder fort war, kam der allgemeine Aufruf, sich im Red Door auf der Kiefernstraße auf ein Bierchen zu treffen, einige hatten die Bierflaschen schon vorher dabei. Das war die angekündigte Protest-Aktion. Hat sie ihr Ziel verfehlt oder war sie einfach nur schlecht gemacht? Alteingessene Bürger, die schon seit Jahrzehnten im Viertel leben, ließen sich nicht blicken und die seit ein paar Jahren neu hinzugekommenen fühlten sich ebenfalls nicht angesprochen. Es blieb bei einem „Privat-Protest“ junger Kulturschaffender – so bezeichnen sie sich – die um bessere Arbeitsbedingungen, Fördermittel, freie Entfaltung auf öffentlichem Raum und bezahlbare Mieten kämpfen wollen (www.freiraum-bewegung.de/manifest/). Sie glauben, dass schleichende Gentrifizierung die Mieten in Flingern unverhältnismäßig hoch nach oben treibt.

Das sieht die Rheinische Post in ihrem Artikel „Mieten in Düsseldorf explodieren“ anders. Sie stellt fest, dass die Preissteigerung durch ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage verursacht wird. Die ehemalige Stadtflucht der 80er- und 90er-Jahre ist abgelöst worden durch eine Landflucht der Bevölkerung. Menschen, die seinerzeit aufs Land gezogen sind, kehren verstärkt in die Stadt zurück. Düsseldorf gehört zu den attraktivsten Städten in NRW, vor allen Dingen auch durch die günstige Arbeitsmarktlage. Der Wohnungsmarkt hat bis heute nicht auf die gestiegene Nachfrage reagiert, was zur Wohnungsverknappung führt. Gründe hierfür sind in den hohen Düsseldorfer Grundstückspreisen und den Ansprüchen der Großstadtbewohner zu sehen. In Düsseldorf liegen die Grundstückspreise im Schnitt bei 590 Euro pro Quadratmeter, im Gegensatz dazu Krefeld mit 280 Euro und Mönchengladbach mit 250 Euro. Wohnungen, die früher von Mehrpersonenhaushalten belegt waren, werden heute von Single-Haushalten bewohnt. Waren es 1974 noch 24 Quadratmeter pro Person, sind es heute schon 47 (www.rp-online.de/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/Mieten-in-Duesseldorf-explodieren_aid_965467.html).

Von Mietpreisen wie in Oberkassel oder Kaiserswerth sind beide Stadtteile, Flingern Nord und Flingern Süd noch weit entfernt. Die Kaltmieten liegen im Mittel bei 7,49 Euro (Flingern Süd) und 8,09 Euro (Flingern Nord).

NOtting Hill - Protest - Freilicht-Wohnzimmer aus Sperrmüll. Flingern NOtting Hill - Protest - Freilicht-Wohnzimmer aus Sperrmüll. Flingern

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Der Bericht aus der WDR Lokalzeit.

4 Responses to “Was war das denn?”

Gast at February 17, 2011 at 1:34 pm
Eine kleine Gruppe hatte sich auf der Lindenstraße, bei nass, kaltem Wetter, eingefunden. Man hat mehr erwartet und die Riege sah doch auf der Straße, in der Nähe des Hermannplatzes, verlassen aus. Ja, der WDR war da und einige hatten es sich gemütlich gemacht, soweit das bei dem Wetter möglich war. Einige von den Teilnehmern sind aus anderen Städten angereist, die Flingeraner die es eigentlich betrifft, waren nicht sonderlich daran interessiert. Woran mag das liegen? Sind sie zu faul oder aber sehen sie die „Gentrifizierung“ nicht als starkes Problem im Stadtteil an? Vielleicht liegt es aber auch an den Leuten die diese Aktionen organisieren, meist aus dem extrem linken Spektrum, wie Antifa und andere sektiererischen Genossen, die selbst in der DDR unter Beobachtung gestanden hätten und die mehr für Krawalle und gewaltsamen Protest bekannt sind und weniger für einer demokratische Streitkultur. Ich muss aber anmerken, dass bei dieser Aktion keine Gewalt im Spiel war und ich auch die Gentrifizierung auf Dauer als Gefahr für Flingern sehe. Ich bin der Meinung, wenn die große Mehrzahl der Flingeraner diese Gentrifizierung nicht möchte, sollte sie sich auch öffentlich artikulieren und der Stadt ein Warnsignal geben.
Gast at February 16, 2011 at 9:59 pm
eure fotos sprechen eine andere sprache als euer artikel: das sieht urgemütlich aus und ich meine, nachbarn erkennen zu können. außerdem klang das im flyer auch so, als wäre genau so eine aktion der plan gewesen... nett zusammen sitzen und dann wieder ab ins warme!
Gast at February 16, 2011 at 9:49 pm
Gott gab den Menschen Verstand und Verständnis. Entweder hast du einen anderen Artikel gelesen und dann bist du hier fehl am Platz oder du musst Gott noch einmal um einen Nachschlag an Verständnis bitten. Christian
Gast at February 16, 2011 at 3:28 pm
Was soll mir der Artikel sagen? Ich fasse mal zusammen: Gentrifizierung gibts in Flingern nicht, der Werbefilm ist super und Luxuseigentumswohnungen auch. Den Lokalmedien die Möglichkeit geben über die Aktionen zu berichten geht mal garnicht, weil das ja dann inszeniert ist, und nach 1,5 Stunden in der Kälte die Aktion zu beenden ist viel zu früh. Also am besten lieber garnix machen, brav Miete zahlen und froh sein, weil in Oberkassel ists ja viel teurer. Ich bin dann mal shoppen...

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