Die vier Ps

Verfasst von Bella am 8. Januar 2011 - 14:39 in antifa, autonome, Flingern rollt den roten Teppich aus, linke-szene

Die drei Ps: das sind „Pleiten, Pech und Pannen“. In unserem Fall kann man den Begriff „peinlich“ noch hinzufügen. So und so ähnlich empfinde ich das Verhalten der alternativen linken Szene in Flingern.

Erst letztens machten sie den vier Ps wieder alle Ehre bei der Veranstaltung „Flingern rollt den roten Teppich aus“. Dort flanierten sie pärchenweise durch die mit Kunden übersäten Läden und wollten die Ladenbesitzer dazu bewegen, ihre eigens für die Veranstaltung kreierten Flyer mit unflätigen Parolen in Fäkaliensprache auszulegen. Die Reaktion der Ladenbesitzer war, wie kaum anders denkbar, negativ. Wie soll man Menschen ernst nehmen, die statt vernünftiger Argumente pubertären „Dünnschiss“ verbreiten.

Wie sagte ein Ladenbesitzer ganz treffend: „Die haben doch sicherlich noch niemals mit ihrer eigenen Hände Arbeit oder Verstand Geld verdient, sondern immer nur auf unsere Kosten gelebt, dann bleibt selbstverständlich genug Zeit, derartiges zu produzieren.“

Jetzt mal ehrlich: Wie kommen diese Leute darauf, dass die Ladenbesitzer, deren Läden an solchen Abenden zum Bersten gefüllt sind, für deren Läden sowohl im Internet, im Radio und auf Flyern geworben wird, diese Anti-Kapitalismus-Parolen unterstützen? Das ist ja lachhaft! Man kann über alles reden, aber doch bitte mit Argumenten. Und natürlich wandelt sich ein Stadtteil, Industrie ist out. Die ehemaligen Werkswohnungen müssen renoviert werden, damit sie sie nicht mit der Zeit über den Köpfen ihrer Bewohner zusammen brechen und es muss neues Leben in die Stadtteile Flingern Nord und Flingern Süd gebracht werden. Und natürlich wollen auch die Laden-, Galerie- und Atelierbesitzer leben. Und die sind natürlich über Veranstaltungen froh, die positive Aufmerksamkeit auf den Stadtteil lenken.

Überhaupt sind diese Linken in Flingern, die der Antifa angeschlossen zu sein scheinen, ein Phänomen. Auf der einen Seite sind sie stolz darauf, in einem historisch-politisch heiklen Stadtteil zu leben, der so viel Kreativität und Alternativen bietet. Auf der anderen Seite wollen sie keine Veränderung und es sollen nur Gleichgesinnte mit gleichem Lebensstil in dem Stadtteil leben. Oder sollte man besser sagen Gleichgesinnte, deren Gesinnung und Stil vom Geldbeutel vorgeschrieben wird. Sie fürchten die Ladenbesitzer, die die Frechheit besitzen, sich an so erfolgsversprechenden Veranstaltungen wie „Flingern rollt den roten Teppich aus“ zu beteiligen, um, oh nein, man spreche das böse Wort nicht aus, Geld zu verdienen.

Ist es denn nicht logisch, dass ein alternatives Szeneviertel auf kurz oder lang Leute anzieht, die Geld haben und auch gewillt sind, es auszugeben? Vielleicht sieht das Ganze in dreißig Jahren wieder anders aus, aber für den Moment sind solche linksradikalen Protestaktionen nicht nur unnütz, sie führen auch zu keiner konstruktiven Diskussion und sie sind peinlich! Die vier Ps eben.

3 Responses to “Die vier Ps”

Gast at February 1, 2011 at 10:51 am
Generell finde ich beide Aktionen gut, auch wenn die Flyeraktion Diskussionsbedarf hat. Das Ziel ist doch erreicht worden: Man spricht drüber und ich vermute, dass das ein Anliegen der Akteure war. Es ist doch so. In der ehemaligen Flurklinik sind Eigentumswohnungen für Leute mit Geld entstanden. Im ehemaligen Kloster gibt es Gewerbelofts, für die man auch das nötige Kleingeld haben muss. Auf der Neanderstraße wurde ein Mietshaus abgerissen, in dem früher Otto Normalverbraucher lebte. Dort steht jetzt eine Luxusimmobilie für Besserverdienende und auf der Lindenstraße, auf dem ehemaligen Bunkergelände, wird eine neue gerade errichtet. Altbauwohnungen, die vor einigen Jahren noch günstig anzumieten waren, müssen mittlerweile auch teurer bezahlt werden, seit „alle Welt“ plötzlich in Flingern wohnen will. Da greift das Prinzip „Angebot und Nachfrage“. Klar, ein Stadtteil verändert sich, aber in welche Richtung und welche Richtung wollen wir? Wie können wir das beeinflussen? Es heißt, in Flingern treffe man immer mehr Oberkasseler an. Das ist doch schon sehr bedenklich. Oberkassel hat seinen Zenit überschritten. Tritt Flingern jetzt an seine Stelle und wird immer mehr ein Schickimicki-Viertel. Vielleicht sollte man sich ein Beispiel an Hamburg nehmen. Hier soll Mitte 2011 eine Verordnung, nennt sich soziale Erhaltungsverordnung, in Kraft treten, die mehrere Szeneviertel unter Schutz stellt und ihre Bevölkerung vor Luxussanierungen oder spekulativer Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen schützt. Christian
Gast at January 11, 2011 at 10:16 pm
Wann werden denn die Linken in Flingern aktiv? Doch immer nur dann, wenn sie ihre eigenen Interessen bedroht sehen. Die Kiefernstraße steht wieder zur Disposition. Und die Häuser dort müssen umgehend saniert werden. Dass man danach nicht mehr für 50 Cent/qm wohnen kann, ist ihnen auch klar, deshalb fürchten sie jede Sanierung wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen kommen so Parolen wie „die Häuser gehören uns“ oder „die Stadt gehört uns“. Und da nicht nur auf der Kiefernstraße etwas passieren soll sondern jetzt überall in Flingern etwas passiert, geht ihnen sozusagen der „Arsch auf Grundeis“. Anscheinend haben sie noch nicht den Unterschied zwischen Eigentümer und Besitzer verinnerlicht. Als Mieter sind sie momentan im Besitz der Immobilie, was zumeist vertraglich geregelt ist. Aber so lange sie nur Besitzer und nicht Eigentümer einer Immobilie sind, können sie auch nicht darüber entscheiden, ob notwendige Sanierungen gemacht werden müssen oder ob das Haus oder die Häuserzeile verkauft wird. Darüber entscheidet nur der Eigentümer. Scheint ihnen bewusst, deshalb diese Parolen wie „Die Häuser gehören uns“. Ja, aber nur solange sie alte und neue Mietbedingungen akzeptieren. „Die Stadt gehört uns“. Ja, aber auch allen anders Denkenden und die sind bekanntlich in der Mehrheit. Statt konstruktiver Diskussion flüchten Flingerns Linke in hilflose Agitation. Man denke nur an die besprayten Bürgersteige. „Wo sollen wir noch wohnen? 3420 Euro/qm für neue Eigentumswohnungen.“ Mittlerweile haben Schnee und Regen diese Mitteilungen wieder abgewaschen, aber Anfang November 2010 stand so mancher Flingeraner kopfschüttelnd davor und wusste nichts damit anzufangen, denn der hat eigentlich nichts gegen die neue Immobilie. Das er da nicht einziehen wird ist klar, woher auch, aber dass da vielleicht mal Besserbetuchte einziehen werden, dagegen hat er auch nichts. In der ehemaligen Flurklinik und dem ehemaligen Kloster sind ja schon seit Jahren teure Wohn- und Gewerbelofts entstanden. Also mein Vorschlag: Statt billiger Agitation und Hetze konstruktive Gespräche mit Flingeranern, Stadt und Land führen, um gemeinsam darüber nachzudenken, wohin alles mal führen soll und in wieweit Stadt und Land in die Pflicht genommen werden können, an ihre Bürger und nicht nur an den Profit zu denken. Peter
Gast at January 9, 2011 at 3:11 pm
Dieses pubertäre Geplärre der Autonomen findet ja nicht nur in Flingern statt, sondern auch in anderen Stadtteilen. Ja, die Gentrifizierung ist ein Problem für einige Bürger in Flingern, aber die Alternative auf Kosten von anderen zu Leben -wie viele Autonome-, ist die schlechtere Alternative. Es gibt außerdem kein Recht auf Stillstand auch kein Sozialer und Veränderung ist für jede Gesellschaft unablässig. Das der Stadtteil sich gewandelt hat kann man nur begrüßen auch wenn sich viele Wichtigtuer und Möchtegerne und Snobs in Flingern eingefunden haben. Vielleicht sollte man die Stadt einfach mehr Motivieren ihr Vorkaufsrecht bei Wohnung zu nutzen.

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